PSA-Kanonen auf Tumor-Spatzen?
Schon
lange ist der PSA-Test zur Früherkennung des Prostatakarzinoms in der
Diskussion. Ein Nutzen ist nicht belegbar. Auch andere präventive
Strategien halten Prüfungen nicht stand. Das
Prostatakarzinom ist bei Männern jenseits des Alters von 50 Jahren das
häufigste Karzinom. Vorsorgeuntersuchungen werden hierzulande ab dem
45. Lebensjahr angeboten. Diese umfasst die Tastuntersuchung der
Prostata. Ein Bluttest auf das prostataspezifische Antigen (PSA) wird
Männern ohne Symptome oder bekannte Erkrankung angeboten, muss als Teil
der Krebsvorsorgeuntersuchung jedoch selbst bezahlt werden. PSA-Test: Nutzen nicht belegtDass
die 75 Jahre lang praktizierte Tastuntersuchung der Prostata als
alleinige Screeningmethode nicht gerade zuverlässig ist, ist leicht
nachzuvollziehen. Die Entwicklung des PSA-Tests schien zunächst viel
versprechend, enttäuschte schließlich aber doch. So schätzt das National Cancer Institute
in den USA den Stellenwert der zur Zeit verfügbaren Möglichkeiten als
nicht ausreichend belegt an. Denn Überdiagnose und Übertherapie stehen
in fragwürdigem Verhältnis zum Nutzen der Screeninguntersuchung,
belegen Zahlen der Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian Cancer Screening Trial (PLCO) aus den USA und der European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC). Eine gute Übersicht liefert ein aktueller Artikel der American Cancer Society ( OW Brawley et al.: Screening for Prostata Cancer. CA Cancer J Clin 2009;59;264-273; DOI: 10.3322/caac.20026). PSA-Test ja oder nein?Die
Regel ist: Liegt der PSA-Wert über 4,0 ng/ml, folgt weitere Diagnostik
mittels Biopsien. Dabei gibt es für das PSA gar keinen eigentlichen
Normwert. Der Wert unterliegt natürlichen Schwankungen, ist
alterabhängig und bei verschiedenen anderen Erkrankungen der Prostata
ebenfalls erhöht. Schon körperliche Anstrengung, Geschlechtsverkehr,
Druck auf die Prostata wie bei der Tastuntersuchung selbst treiben den
Wert in die Höhe. Auch wenn das Risiko für Prostatakrebs und dessen
aggressive Formen ab einem Wert von 4,0 ng/ml an steigt, weist doch die
Mehrheit der Erkrankten Werte unter diesem Grenzwert auf. Weiteres
Problem: Der PSA-Test deckt bei vielen älteren Männern ein
asymptomatisches Prostatakarzinom auf, das, wenn überhaupt, nur langsam
gewachsen wäre, auch zukünftig keine Symptome verursacht hätte,
geschweige denn den Tod. Stattdessen kommt bei positivem Testergebnis
die diagnostische Maschinerie in Gang. Positive Biopsien bedeuten dann
häufig belastende Krebstherapien mit entsprechenden langfristigen
körperlichen und psychischen Folgen. Dass die Entscheidung zum PSA-Test gar nicht so einfach zu treffen ist, wissen Krebsexperten des Deutschen Krebsforschungszentrums oder des deutschen Krebsregisters. Deshalb bieten die AOK, die Universität Bremen und der Krebsinformationsdienst seit 1. August letzten Jahres für interessierte Männer eine Internetinformation und Entscheidungshilfe an, die Vor- und Nachteile beleuchtet. Präventionshoffnung: FinasteridDie
frühe Entdeckung und Behandlung von Prostatakrebs ist keine einfache
Strategie, um die Erkrankung zu kontrollieren, zumal die meisten
Patienten mit unbehandeltem Prostatakarzinom keine Komplikationen
haben. Prävention bleibt natürlich dennoch ein wichtiges Thema. Die
„Selenium und Vitamin E Prevention Trial“ ( JAMA 2009; 301: 39-51)
ergab keine Wirksamkeit der beiden Bestandteile hinsichtlich des
Erkrankungsrisikos. Lediglich eine geprüfte Methode konnte das Risiko
senken: Finasterid in der Dosierung 5 mg pro Tag senkte das Krebsrisiko
um annähernd 25 Prozent ( N Engl J Med. 2003; 349: 215–224). Zwar
ergaben Studienergebnisse einen Anstieg des Risikos aggressiver
Krebsformen unter der Therapie mit Finasterid. Spätere Analysen zeigten
jedoch, dass dieser Effekt auf der Wirkung des Finasterid auf die
PSA-Untersuchung, Tastuntersuchung und Prostatabiopsien und die
verbesserte Entdeckung von gefährlichen Tumoren zurückzuführen war.
Finasterid gilt als sicher und effektiv und könnte eine wirksame
Präventionsmethode sein. Die American Society of Clinical
Oncology/American Urological Clinical Practice Guidline jedenfalls
empfiehlt für Patienten, die sich einem PSA-Test unterziehen, die
Information über diese Möglichkeit der Prävention.
Quelle:
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