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Schweinegrippe Impfung?
Dr.
Klaus Hartmann ist ein absoluter Insider
in Sachen Impfpolitik: er hat zehn
Jahre lang hinter die Kulissen des
Paul-Ehrlich-Instituts, der „deutschen
Impfstoff-Behörde“ geschaut und teilt
nun seine Erfahrung mit uns.
Herzlichen Dank dafür!

Impfung? – Da ist noch alles drin!
Die Impfung gegen „Schweinegrippe“ in der Schwangerschaft /
von Dr. med. Klaus Hartmann
Die Impfaktion gegen die
neue Influenza H1N1
(„Schweinegrippe“)
gilt schon jetzt als Kommunikations-Desaster.
Altkanzler Schröder hätte
wohl von einer
Kakophonie gesprochen,
so
schrill und bunt
geht es durcheinander.
Das Deutsche
Ärzteblatt schrieb in
seiner Ausgabe vom
30. Oktober 2009 im Editorial von
einer „Vertrauenskrise“, da die Bevölkerung inzwischen durch die vielen Ratschläge von
Experten aller Art so verunsichert sei, dass sich nur noch ein kleiner Teil überhaupt impfen
lassen wolle.
Den Gipfel an Merkwürdigkeit stellt allerdings die Empfehlung der ständigen Impfkommission
am Robert-Koch-Institut (STIKO) für alle schwangeren Frauen dar. Da die
“Schweinegrippe” bei Schwangeren insgesamt klinisch schwerer verläuft und häufiger
Krankenhauseinweisungen notwendig sind, empfahl die STIKO, die Schwangeren als besondere
Risikogruppe ab dem 26. Oktober 2009 zu impfen.
In Deutschland wurden zum Schutz der Bevölkerung 50 Millionen Dosen des Impfstoffes
Pandemrix® der Firma GlaxoSmithKline (GSK) eingekauft, die nun ausgeliefert und
an die impfenden Ärzte verteilt werden. Pandemrix® ist ein auf Hühnereiern gezüchteter, inaktivierter, adjuvantierter Spaltimpfstoff, der als Antigen
pro Dosis 3,75 μg Hämagglutinin (HA) enthält. Die Antigenherstellung
entspricht der des in Dresden produzierten saisonalen
Impfstoffs Influsplit®. Das Adjuvans AS03 besteht aus
Squalen (10,69 mg), DL-Tocopherol (11,86 mg) und Polysorbat
80 (4,86 mg) und soll bei der geringen Menge an Antigen für
eine trotzdem ausreichende Immunantwort sorgen. Der
Impfstoff wird in Behältern mit jeweils 10 Einzeldosen ausgeliefert,
was für den Hersteller eine einfachere und billigere Abfüllung
erlaubt. Allerdings werden deshalb pro Impfdosis 5 mg
des quecksilberhaltigen Konservierungsmittels Thiomersal zugesetzt.
Für das neue Adjuvans (den immunologischen Wirkverstärker)
in Pandemrix® liegen keinerlei Daten bezüglich
der Sicherheit in der Schwangerschaft vor.
Außerdem wurden zur Anwendung bei der Bundeswehr und
zur Impfung von Bundesbeamten einschließlich der Bundesregierung
200.000 Impfdosen des Impfstoffs Celvapan® der Firma
Baxter bestellt, die inzwischen ebenfalls geliefert wurden.
Diese Sonderbehandlung wurde in den Medien als großer Aufmacher
verwendet und schürte das Misstrauen der Bevölkerung
gegen Pandemrix®, von dem in diesen Berichten abfällig
als „Volksimpfstoff“ gesprochen wurde. Celvapan® ist ein
nicht-adjuvantierter Ganzvirus-Impfstoff, der als Antigen pro
Dosis 7,5 μg Hämagglutinin (HA) enthält. Der Impfstoff wird
ebenfalls in Behältern mit jeweils 10 Einzeldosen ausgeliefert,
aber es wird kein Thiomersal zugesetzt. Solche Ganzvirus-
Impfstoffzubereitungen können über zelluläre Lipide der Virushülle
einen gewissen Adjuvanseffekt bewirken, das heißt,
dass hier ein „natürliches“ Adjuvans wie bei einer echten Grippeinfektion
verwendet wird. Auch für den Ganzvirus-Impfstoff
liegen keine Sicherheitsdaten für die Anwendung in der
Schwangerschaft vor.
Die Anwendung von Pandemrix® und Celvapan® erschien
der STIKO dann zur Anwendung bei Schwangeren dann doch
zu riskant. Also empfahl man den Schwangeren und deren Ärzten
lieber ein Paradox: sie sollten mit einem nicht-adjuvantierten
Spaltimpfstoff geimpft werden, den es aber leider in
Deutschland nicht gibt und von dem man nicht weiß, ob und
wann er zugelassen wird.
Überhaupt ist das Wiederauftauchen des eigentlich aus allen
Impfstoffen verbannten Thiomersals einer der wirklichen Skandale
dieser ganzen Geschichte. Die STIKO äußert sich in ihrer
Empfehlung zu diesem lange und heftig umstrittenen Inhaltsstoff
wieder in verharmlosender Weise und richtet gerade mit
solchen Äußerungen einen irreparablen Schaden bei der Vertrauensbildung
an.
Pandemrix® enthält 5 mg Thiomersal pro Dosis und andere
Pandemieimpfstoffe können bis zu 25 mg Thiomersal pro Dosis
enthalten, wenn die Impfstoffe in Mehrdosenbehälter (also
10-Dosen-Töpfe) abgefüllt werden. Thiomersal verhindert die
Verkeimung der Impfstoffe nach Erstöffnung und bei der mehrfachen
Entnahme und somit das Risiko einer unerwünschten
bakteriellen Infektion. Bei Pandemrix® ist also der Thiomersalgehalt
mit 5 mg höher als der Gehalt an wirksamem Antigen
(das sind nur 3,75μg).
Zur Thiomersal-Exposition in der Schwangerschaft bemerkt die
STIKO dann, dass
„...Quecksilber bekanntermaßen dosisabhängig toxisch für
das ungeborene Kind ist. Schwangere sind aber auch exponiert
gegenüber geringen Mengen von Methylquecksilber über
die Nahrung, speziell durch Fischkonsum. Die Joint Food and
Agriculture Organization (FAO)/WHO Expert Committee on
Food Additives) haben kürzlich eine provisorische tolerierbare wöchentliche Aufnahme durch Fisch von 1,6 mg/kg Körpergewicht
pro Woche (= 96 mg Methylquecksilber/ 89 mg Quecksilber
für eine 60 kg schwere Person pro Woche) etabliert, die
ausdrücklich auch für Schwangere als unbedenklich gilt“.
Man verschanzt sich wieder hinter provisorischen Grenzwerten,
ohne klar zu bekennen, dass Thiomersal in Impfstoffen für
Schwangere absolut nichts verloren hat und bei sorgfältiger
Planung der Impfaktion auch niemals zum Konfliktthema hätte
werden müssen. Kein Erfassungssystem der Welt registriert
„kleinere“ Störungen der Hirnentwicklung von Kindern, die
eine solche Exposition während der Schwangerschaft erhalten
haben.
Aber wie bemerkte Professor Löwer, der noch amtierende Präsident
des Paul-Ehrlich-Instituts (der deutschen Zulassungsbehörde
für Impfstoffe) im Interview in der „Zeit“ vom 29. Oktober
2009 treffend: „...In der Vorbereitung für eine Pandemie
haben die Schwangeren nicht im Fokus gestanden...“
Somit ist den schwangeren Frauen nur zu raten, auf der Impfung
mit einem thiomersalfreien und adjuvansfreien Spaltimpfstoff
zu bestehen und diesen auch vehement von der empfehlenden
STIKO zu fordern (oder sich nicht impfen zu lassen).
Man kann einiges für die Zukunft aus dieser Impfaktion lernen
und dann besser machen, denn auf eine weitere Tatsache müssen
wir uns ebenfalls einstellen: Nach der Pandemie ist vor der
Pandemie (frei nach Sepp Herberger).

 
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