Jede achte Trinkwasserprobe aus öffentlichen Gebäuden ist mit Keimen belastet. Das berichtet die Neue Ruhr/Rhein Zeitung unter Berufung auf Forschungen der Universität Duisburg-Essen.
Bakterienwachstum durch Nährstoffe
Die Wissenschaftler der Uni Duisburg-Essen haben die Ergebnisse von über 20.000 Wasserproben der Gesundheitsämter in ganz Deutschland zusammengefasst. Sie prüften, ob im Trinkwasser die Krankheitserreger Legionellen und Pseudomonaden vorkommen, Keime, die vor allem für Säuglinge, kranke und alte Menschen gefährlich werden könnten.
„Trinkwasser ist nicht steril, und muss es auch nicht sein. Es enthält Bakterien, die vollkommen ungefährlich sind“, stellt der Studienleiter Hans-Curt Flemming klar. Doch es können sich auch gefährliche Krankheitserreger ansiedeln. Um das zu verhindern, versuchen die Wasserwerke den Bakterien die Nährstoffgrundlage zu entziehen. „Wenn diese ausgehungerten Keime nun auf Materialien treffen, die ihnen Nährstoffe bieten, dann eröffnet sich ihnen das Paradies. Viel brauchen sie nicht zu ihrem Glück: Kleine Mengen ausgeschwitzter Weichmacher und andere Kunststoffzusätze, Nitrat und Phosphat reichen völlig aus“, sagt Flemming. „Dort setzen sie sich fest und bilden dicke Biofilme. Darin können sich auch Krankheitserreger einnisten, die wachsen, dann ausgeschwemmt werden und das Wasser kontaminieren.“ Auch niedrige Warmwassertemperaturen und geringe Durchflussgeschwindigkeiten fördern das Bakterienwachstum.
16 Prozent der Proben belastet
Die Auswertung von mehr als 20.000 Messungen an öffentlichen Gebäuden durch die Gesundheitsämter zeigte, dass in über 13 Prozent der Warmwasser-Systeme Legionellen vorkommen. Ein besonders unangenehmer Krankheitserreger ist Pseudomonas aeruginosa, der Lungenentzündungen, Harnwegsinfekte oder hartnäckige Infektionen bei Brandwunden verursacht. Er wurde in drei Prozent der Untersuchungen nachgewiesen.
Die Proben wurden zwischen 2003 und 2009 genommen – die Wissenschaftler kritisieren daher auch die geringe Kontrolldichte der Gesundheitsämter. Insgesamt müssen die Behörden fast 40.000 öffentliche Gebäude kontrollieren, deshalb wird wird jede Einrichtung im Schnitt nur alle zwölf Jahre kontrolliert.